Störungsbilder Kinder
Wenn Kinder Schwierigkeiten im Bereich von Sprache, Sprechen, Stimme und Schlucken haben, ist eine schnelle professionelle Unterstützung sinnvoll. Der Kinderarzt ist meist der Erste, der die Defizite feststellt und entscheidet, ob eine logopädische Behandlung notwendig ist.
Störungsbilder bei Kindern
Behandlungsfelder
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Spracherwerbsstörungen
Eine Sprachentwicklungsstörung (SES) liegt vor, wenn Kinder das Sprachsystem nicht altersgemäß oder nicht vollständig erwerben. Dabei muss beachtet …
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Spracherwerbsstörungen bei Mehrsprachigkeit
Oft werden Störungen im Spracherwerb bei mehrsprachigen Kindern falsch oder zu spät erkannt. Bei Kindern, die mehrere Sprachen parallel erlernen, …
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Myofunktionelle Störungen
Die Muskulatur in Zunge und Gesicht zeigt normalerweise ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis. Bei einer myofunktionellen Störung ist dieses …
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Mund-, Ess- und Fütterstörungen
Die Nahrungsaufnahme kann durch muskuläre, sensorische oder reifungsbedingte Defizite schon im Säuglingsalter gestört sein.
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Late Talker
Der Begriff Late Talker kommt eigentlich aus dem amerikanischen und wird nun zunehmend auch in der deutschen Fachliteratur benutzt. Gemeint sind …
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Kindliche Stimmstörungen
Stimmstörungen bei Kindern zeigen sich meist durch länger andauernde Heiserkeit oder sogar durch Missempfindungen oder Schmerzen im Kehlkopfbereich. …
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Zentral-auditive Verarbeitungsstörungen
Diese werden häufig auch als Auditive Wahrnehmungsstörungen bezeichnet. Es sind alle Störungen der Verarbeitung von Höreindrücken, obwohl das …
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Stottern
Stottern ist eine motorisch bedingte Störung des Redeflusses. Beim Sprechen treten immer wieder Wiederholungen, Blockaden und / oder Dehnungen von …
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Spracherwerbsstörungen
Eine Sprachentwicklungsstörung (SES) liegt vor, wenn Kinder das Sprachsystem nicht altersgemäß oder nicht vollständig erwerben. Dabei muss beachtet werden, dass Kinder Sprache mit großen individuellen Schwankungen erlernen, so dass der „Normbereich“ eine große Spanne darstellt. Die Ursachen für eine Störung im Spracherwerbsprozess sind vielfältig und können nicht nur medizinischer Art (z. B. Hörstörungen), sondern auch psychischer, soziokultureller oder genetischer Natur sein. Oft gehen solche Schwierigkeiten auch mit allgemeinen Entwicklungsverzögerungen und/oder Störungen von Konzentration und Wahrnehmung einher.
Generell können die Auffälligkeiten dabei auf allen verschiedenen sprachlichen Ebenen auftreten.
Lautbildung: Während Kinder Sprache erwerben, ist es normal, dass innerhalb der ersten vier Lebensjahre Wörter vereinfacht werden, indem Laute vertauscht, ersetzt oder ausgelassen werden. Sollten diese Auffälligkeiten aber über diese Zeit hinaus auftreten, liegt meist eine Aussprachestörung vor. Beispiele hierfür sind: „Tuh“ statt „Kuh“ „Senster“ statt „Fenster“ oder „Sokolade“ statt „Schokolade“. Man unterscheidet dabei phonetische Störungen, bei denen die einzelnen Laute auch gar nicht vom Kind realisiert werden können, und phonologischen Störungen, bei denen die Kinder die einzelnen Laute zwar bilden können, sie jedoch noch nicht korrekt in Wörter einsetzen und erkennen. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein und die Behandlung muss individuell erfolgen, je nachdem, ob die Schwierigkeiten beispielsweise im Bereich der Feinmotorik (z. B. durch muskuläre Schwäche der Zunge), der Sensibilität (Wahrnehmung und Speicherung von Artikulationsbewegungen), oder auch der Hörverarbeitung (z. B. Unterscheidung ähnlicher Laute) liegen.
Sprachverständnis: Störungen des Sprachverständnisses sind unabhängig vom Hörvermögen und es kann sowohl das Wortverständnis als auch das Satzverständnis, also das Verstehen von grammatischen Strukturen betroffen sein. Die Kinder können Erzählungen und Erklärungen nur begrenzt folgen. Auf Aufforderungen reagieren sie häufig nur unvollständig, falsch oder gar nicht. Die Schwierigkeiten werden oft erst spät erkannt, da die Kinder trotz allem über ein gut ausgeprägtes „Situationsverständnis“ verfügen. D. h. sie können Sinnzusammenhänge oft durch Mimik und Gestik ihres Gegenübers oder durch die Situationszusammenhänge entschlüsseln und so richtig reagieren.
Wortschatz: Die meisten Kinder sprechen ihr erstes Wort um den 1. Geburtstag herum. Ab ca. dem 18. Lebensmonat explodiert der Erwerb neuer Begriffe regelrecht und um den 30. Lebensmonat geht man von einem Wortschatz von ca. 400 Wörtern aus. Der Wortschatzerwerb beginnt dabei mit Namen und Dingen aus der unmittelbaren Umgebung der Kinder und wird dann immer vielfältiger. Kinder mit einem eingeschränkten Wortschatz ersetzen Begriffe oft durch unspezifische Bezeichnungen, z. B. „reinmachen“ für „einfüllen, reinlegen, reinstellen, reintragen und einwerfen“. Sie zeigen vieles, anstatt Gegenstände und Wünsche zu versprachlichen und benennen Dinge und Situationen häufig nur mit „das da“. Manchmal lassen sich auch Satzabbrüche oder lange Pausen beim Erzählen der Kinder beobachten. Von den Einschränkungen des Wortschatzes unterscheidet man die Wortfindungsstörungen. Hierbei kennt das Kind ausreichend viele Wörter, hat diese aber noch nicht sortiert genug abspeichern können, um sie bei Bedarf spontan abrufen zu können. Erwachsene kennen dieses Phänomen als „auf der Zunge liegen“ eines Wortes. Bei Kindern mit einer Wortfindungsstörung tritt dies allerdings sehr gehäuft auf und behindert so den Sprechfluss und die Freude an der Kommunikation. Ob und inwiefern der kindliche Wortschatz gestört ist, lässt sich nur durch eine genaue sprachtherapeutische Diagnostik erfassen.
Grammatik: In diesem Bereich sind die Störungsmöglichkeiten vielfältig. Alle grammatischen Strukturen der Sprache können in unterschiedlichem Ausprägungsgrad von dem sogenannten „Dysgrammatismus“ betroffen sein. Beispiele sind: falsche Konjugationsendungen („Mama ist gegeht.“ „Er hab einen Bonbon.“); falscher Einsatz von Präpositionen („Wir waren bei Urlaub.“ „Ich warte in den Spielplatz.“); falsche Pluralbildung („Eiers“ „Fußen“); falsche Deklination („Ich hab mit die Frau geredet.“ „Hilf mich bitte.“) oder das Kind reiht nur Inhaltswörter ohne grammatische Bindung aneinander („ Ich Kindergarten.“ Mama Naschi kaufen.“). Gelegentliche grammatische Unsicherheiten dürfen über die gesamte Vorschulzeit auftreten. Bei konstanten grammatischen Auffälligkeiten kann ab dem 4. Lebensjahr logopädische Unterstützung erfolgen. Sollten Kinder aber nach dem 3. Lebensjahr noch immer nur Wörter aneinanderreihen oder das Verb am Ende vom Satz statt an zweiter Stelle plazieren (z. B. "Mama nach Hause kommt.“ statt „Mama kommt nach Hause.“), sollte die Vorstellung schon früher erfolgen.
Die Therapie orientiert sich am jeweiligen Störungsschwerpunkt und am Entwicklungsstand des Kindes. In der Praxis nutzen wir modernste Behandlungsmethoden und legen großen Wert auf kindgerechte, spielerische Vermittlung der Inhalte. Therapie muss Spaß machen um erfolgreich sein zu können. Nicht nur die Kooperation mit anderen Therapeutengruppen, Betreuern und Ärzten, sondern vor allem die enge Zusammenarbeit mit den Eltern ist uns hier wichtig. So endet jede Behandlung mit einer Elterninformation und lässt genug Raum für Fragen, Anleitung und Beratung.
Spracherwerbsstörungen bei Mehrsprachigkeit
Oft werden Störungen im Spracherwerb bei mehrsprachigen Kindern falsch oder zu spät erkannt. Bei Kindern, die mehrere Sprachen parallel erlernen, kommt es häufig zu Schwierigkeiten im Bereich von Sprach- und Aufgabenverständnis, sowie im Satzbau und der Grammatik. Aber natürlich kann auch die Aussprache betroffen oder der Wortschatz eingeschränkt sein. Besonders bei Kindern, die erst später, d. h. nach dem 36. Lebensmonat mit dem Erwerb der zweiten Sprache beginnen, können diese Auffälligkeiten aber auch ganz „normal“ sein und einfach ein verlangsamtes, aber trotzdem später vollständiges Beherrschen der Sprache kennzeichnen. Bei einer echten Spracherwerbsstörung sind die Schwierigkeiten in jedem Fall in beiden Sprachen zu beobachten. Anzuraten ist bei Problemen immer eine frühzeitige genaue logopädische Diagnostik, um abzuklären, ob das Kind die Sprachentwicklung nur verzögert durchläuft, oder es Anzeichen für eine echte Sprachentwicklungsstörung gibt. Dementsprechend können dann Arzt und Therapeut entscheiden, ob das Kind logopädische Unterstützung benötigt oder nicht.
Sollten Sie sich unsicher sein in Fragen zur Vermittlung der Zweitsprache oder dem Sprachstand Ihres Kindes, beraten wir Sie gerne in einem persönlichen Gespräch.
Myofunktionelle Störungen
Die Muskulatur in Zunge und Gesicht zeigt normalerweise ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis. Bei einer myofunktionellen Störung ist dieses Gleichgewicht gestört. Dadurch kommt es zu einer falschen Lage der Zunge im Mund bei allen motorischen Abläufen in diesem Bereich. Beim Schlucken drücken die Zungenspitze und -ränder gegen die Front- und/oder Backenzähne. Dadurch fehlt der Druck, der durch das Drücken gegen den harten Gaumen entstehen würde und die Zunge kann die Nahrung aus eigener Kraft nicht mehr ausreichend weit in die Speiseröhre transportieren. Daher müssen alle am Schluckakt beteiligten Muskelgruppen dabei helfen, z. B. die Lippen durch Zusammenpressen beim Schlucken. Auch in der Ruhe und beim Sprechen ist die Zunge nach vorne verlagert, wodurch es zu Aussprachestörungen, v. a. Sigmatismen („Lispeln“), und zu Zahnfehlstellungen, z. B. frontal offenem Biss, kommen kann.
Die Ursachen sind vielfältig. Beispiele sind langes Daumenlutschen oder Schnullern, behinderte Nasenatmung (z. B. durch Polypen) und daraus resultierende ständige Mundatmung, Kieferfehlstellungen und zu kurze Stillzeit bzw. zu lange Flaschenernährung im Babyalter. Außerdem können myofunktionelle Störungen als Symptom von angeborenen oder erworbenen Hirnschädigungen auftreten, z. B. Morbus Down
Eine möglichst frühe Behandlung der Muskulatur ist notwendig, um Folgesymptome zu vermeiden. So kann die Fehllage der Zunge u. a. das Kieferwachstum beeinträchtigen, Rückentwicklungen nach erfolgreichen kieferorthopädischen Behandlungen begünstigen oder zu Missempfindungen in Mund und Hals, v. a. beim Schlucken, führen.
Die Behandlung besteht aus individuellen Übungen zur Förderung der Mundmotorik, zum Muskelaufbau und zur Verbesserung der Sensibilität und Wahrnehmung des Mundraumes. Wichtig ist hierbei die ganzheitliche und ausführliche Diagnostik, da die Fehlfunktionen der Muskeln bei myofunktionellen Störungen sich häufig gegenseitig bedingen und beeinflussen und die Patienten oft auch eine ganzkörperliche Muskelschwäche zeigen, die mit berücksichtigt werden sollte.
Mund-, Ess- und Fütterstörungen
Die Nahrungsaufnahme kann durch muskuläre, sensorische oder reifungsbedingte Defizite schon im Säuglingsalter gestört sein.
Eltern sind meist ratlos, da die Kinder härtere Nahrungsmittel nicht ausreichend zerkauen oder vom Mund in den Rachen transportieren können, manchmal sogar die orale Nahrungsaufnahme vollständig verweigern. Auch übermäßiger Speichelfluss, Zähneknirschen, ständiges Verschlucken und schnell einsetzender Würgereiz können Symptome für gestörte Mundfunktionen sein. Manche Kinder lehnen auch das Zähneputzen oder das in den Mund Nehmen von Gegenständen ab. Meist sind alle anderen oralen Funktionen mitbetroffen, d. h. auch das Saugen, das Pusten und das Sprechen.
Oft treten solche Störungen in Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen auf, z. B. Cerebralparesen oder CHARGE-Syndrom. Sie können aber auch durch Fehlbildungen des Mundbereichs, z. B. Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, durch Operationen oder durch Sensibilitätsstörungen und Zungenfehlfunktionen bei ansonsten ganz normal entwickelten Kindern auftreten.
Eine genaue Diagnostik klärt auf, welche Ursachen den Schwierigkeiten zugrunde liegen, z. B. Lähmungen von Teilen der Mundmuskulatur, Sensibilitätsstörungen, weiterbestehende frühkindliche Reflexe oder Fehlbildungen im Mundraum. Daraus werden individuelle Therapieziele für den Patienten abgeleitet.
In der Therapie ist v. a. die Begleitung und Anleitung der Eltern wichtig. Die Familie soll das gemeinsame Essen wieder als angenehme Situation erleben. Eltern dürfen an den Behandlungen teilnehmen, um gemeinsam mit ihrem Kind das „Essen zu lernen“. Dabei geht es neben der Klärung aller Fragen und Sorgen auch um richtiges Handling und Lagerung, Konsistenzentraining, Nahrungsmittelplanung oder auch Begleitung bei der Sondenentwöhnung.
Mögliche Therapieziele sind: Abbau pathologischer Reflexe; Desensibilisierung im Mundbereich; Aktivierung bestimmter Muskeln, um den Nahrungstransport im Mund zu ermöglichen oder das Training weiterer oraler Funktionen, wie z. B. des Saugens.
Late Talker
Der Begriff Late Talker kommt eigentlich aus dem amerikanischen und wird nun zunehmend auch in der deutschen Fachliteratur benutzt. Gemeint sind damit Kinder, die erst verspätet mit dem Spracherwerb beginnen. D. h. ihr Wortschatz umfasst bis zu ihrem 2. Lebensjahr weniger als 50 Wörter und / oder sie bilden keine oder nur sehr wenige Mehrwortkombinationen (z. B. „ Papa hin“ „Ball weg“). Alle anderen Entwicklungsbereiche, also Motorik, Sinneswahrnehmung und Intelligenz, sind dabei normal entwickelt. Eine Hörstörung sollte durch einen Arzt ausgeschlossen werden.
Kinder mit einer derartigen Verzögerung in der Sprachentwicklung sollten in jedem Fall frühzeitig logopädisch untersucht werden, da bei ungefähr zwei Dritteln der betroffenen Kinder die Gefahr besteht, dass sie in der Folge eine Sprachentwicklungsstörung ausbilden mit Aussprachestörungen, Schwierigkeiten im Satzbau und Textverständnisproblemen. Langzeitfolge können wiederum Schulschwierigkeiten, v. a. in Deutsch und Mathematik sein. Die Forschung belegt, dass diese Kinder von einer frühzeitigen logopädischen Therapie vor dem dritten Lebensjahr stark profitieren (Schlesiger). Wichtig ist dabei die Mitwirkung der Eltern als wichtigste Bezugsperson und Spielpartner des Kindes. Sie nehmen meist aktiv an der Behandlung teil und erfahren intensive Anleitung und Unterstützung.
Ein Drittel der betroffenen Kinder kann den Rückstand bis zum dritten Lebensjahr selbstständig aufholen. Diese bezeichnet man als „Late Bloomer“. Leider ist bisher wissenschaftlich ungeklärt, unter welchen Umständen und Einflüssen dieses selbstständige Aufholen gelingt. Auch in diesen Fällen ist eine logopädische Beratung und Unterstützung somit sinnvoll.
Kindliche Stimmstörungen
Stimmstörungen bei Kindern zeigen sich meist durch länger andauernde Heiserkeit oder sogar durch Missempfindungen oder Schmerzen im Kehlkopfbereich. Die Stimme kann auch ganz wegbleiben oder kaum verständlich sein.
Stimmstörungen bei Kindern treten vor allem im Vorschul- und Grundschulalter auf und haben nur selten organische Veränderungen bzw. Fehlbildungen an Stimmlippen oder im Kehlkopf zur Ursache. Meist sind sie funktionell bedingt, d. h. durch eine Fehlbelastung der Stimme. Durch diese Fehlbelastungen kommt es zu Unregelmäßigkeiten und Fehlern beim Schwingen und Schließen der Stimmlippen. Über einen längeren Zeitraum werden Stimmlippen und Kehlkopf so ständig überreizt und es können sich Verdickungen (sogenannte „Schreiknötchen“) oder Ödeme auf den Stimmlippen bilden, die dann deren Schluss komplett verhindern.
Kinder erlernen den angemessenen und störungsfreien Stimmgebrauch vor allem durch Imitation ihrer Bezugspersonen. Für den Fehlgebrauch sind neben einer Hörproblematik beim Kind, durch die es sich selbst schwerer kontrollieren kann, meist äußere Faktoren verantwortlich: Stresssituationen oder Leistungsdruck, z. B. in Sportwettkämpfen, sehr schnell oder laut sprechende Stimmvorbilder, ungünstige Umweltbedingungen, z. B. Hörstörung eines Elternteils, so dass immer laut gesprochen werden muss, oder psychogene Faktoren, wie z. B. eine schwierige Geschwisterkonstellation.
Inhalte der Therapie sind je nach Störungsursache und -schwerpunkt: Verbesserung der Wahrnehmung für den eigenen Stimmklang, Übungen zur richtigen Atmung, Verbesserung von Haltung und Körperspannung und Übung des richtigen Stimmgebrauchs. Wichtig ist immer die Einbeziehung der Eltern und eine Verbesserung der Umweltfaktoren, die Einfluss auf die Stimmstörung haben.
Idealerweise sollte eine Behandlung immer beginnen, bevor sich die Störung manifestiert und sich organische Veränderungen ergeben. Wenn Sie Ihr Kind oft am Abend heiser erleben, das Kind ohne Anzeichen eines Infekts über Schmerzen oder Unwohlsein im Halsbereich klagt, kurzatmig spricht oder seine Stimme schnell komplett verliert, suchen Sie frühzeitig einen HNO- oder Kinderarzt auf, um sich Rat zu holen.
Zentral-auditive Verarbeitungsstörungen
Diese werden häufig auch als Auditive Wahrnehmungsstörungen bezeichnet. Es sind alle Störungen der Verarbeitung von Höreindrücken, obwohl das periphere Hörvermögen intakt ist. Sie können isoliert oder in Kombination mit einer Sprachstörung auftreten.
Die auditive Verarbeitung von Höreindrücken durch das Gehirn gliedert sich in mehrere Teilbereiche: Aufmerksamkeit, Speicherung von Höreindrücken, Sequenzierung von Höreindrücken, Lokalisation von Geräuschquellen, Differenzierung und Analyse von Gehörtem, Auditive Figur-Grund-Wahrnehmung und Synthese und Ergänzung von Höreindrücken. Alle diese Bereiche können einzeln oder gekoppelt gestört sein und auch in unterschiedlich starker Ausprägung.
Ursachen für die Störung sind oft nicht klar zu definieren. Nachgewiesen ist, dass die ZAVS häufig infolge einer chronischen Mittelohrentzündung auftritt. Während der Entzündung ist das Hörvermögen eingeschränkt. Dadurch fehlen Höreindrücke, die aber für die Reifung der Hörverarbeitung benötigt werden und bestimmte Entwicklungsschritte bleiben aus.
Je nachdem, welche Teilbereiche der auditiven Verarbeitung gestört sind, lassen sich unterschiedliche Auffälligkeiten beobachten: Dreht das Kind bei Zuruf von hinten den Kopf in die richtige Richtung oder sucht es erst lange die Geräuschquelle? Kann es sich Gehörtes gut merken oder müssen sie oft ihre Bitten wiederholen? Lernt es schnell Lieder auswendig oder singt es nie mit? Kann es ähnliche Geräusche und Stimmen voneinander unterscheiden oder verwechselt es sie oft? Verwechselt es ähnliche Wörter miteinander?
Die Diagnostik einer ZAVS muss durch einen Phoniater oder HNO-Arzt erfolgen. Die logopädische Therapie richtet sich nach den spezifischen Störungsschwerpunkten und beinhaltet neben spielerischen Übungen zur Förderung der einzelnen gestörten auditiven Leistungen auch Strategien und Hilfen zur Kompensation der beeinträchtigten Hörverarbeitung.
Kinder mit einer ZAVS entwickeln sehr häufig eine Lese-Rechtschreibschwäche, da dem Lese-Rechtschreib-Erwerb eine intakte Synthese und Analyse von Höreindrücken-und somit Lauten-zugrunde liegt. Daher werden in die Behandlung gegebenenfalls auch immer Lautarbeit und Schriftsprache integriert.
Stottern
Stottern ist eine motorisch bedingte Störung des Redeflusses. Beim Sprechen treten immer wieder Wiederholungen, Blockaden und / oder Dehnungen von Lauten, Silben und ganzen Wörtern auf. Hinzu kommen sogenannte „Sekundärsymptome“: Vor allem durch den Versuch der Betroffenen, das Stottern zu vermeiden, kommt es Verkrampfungen (z. B. im Bereich der Gesichtsmuskeln) und Mitbewegungen (z. B. Augenzwinkern oder Aufstampfen mit dem Fuß) Viele Betroffene ziehen sich immer mehr zurück und vermeiden das Sprechen, was zu sozialer Isolation führen kann. Stottersymptome können situations- und stimmungsabhängig schwanken und es kann auch immer wieder symptomfreie Phasen geben.
Typischerweise beginnt das Stottern im Kindesalter zwischen dem 2. - 5. Lebensjahr, wobei es sich dann bis zur Pubertät bei ca. 80 % der Betroffenen wieder vollständig verliert. Im Erwachsenenalter verschwindet das Stottern nur noch in sehr seltenen Fällen. Man geht davon aus, dass etwa 1% der Bevölkerung stottert.
Die Ursachen sind noch nicht ausreichend erforscht. Man vermutet, dass es eine genetische Veranlagung zum Stottern gibt. Zudem spielen motorische, psychische, soziale und sprachliche Faktoren eine Rolle dabei, ob ein Stottern entsteht und ob die Symptomatik bestehen bleibt.
Kinder, die Unflüssigkeiten in ihrem Sprechen zeigen, brauchen nicht immer eine Therapie. Solange es sich um spannungs- und anstrengungsfreie Wiederholungen und Dehnungen handelt, und das Kind keinen Leidensdruck entwickelt, bezeichnet man die Symptome als „physiologische“ Unflüssigkeiten, die im Rahmen der Sprachentwicklung normal sind und spätestens nach ca. einem Jahr nicht mehr auftreten. Eine Behandlung kann frühestens ab dem 2. Lebensjahr begonnen werden und ist dann zu raten, wenn ein Kind Sekundärsymptome entwickelt, wenn es ungünstige Strategien hat, um das Stottern zu überwinden oder zu vermeiden (z. B. lauter werden) oder wenn es einen Leidensdruck entwickelt und sich zurückzieht. Wichtig ist auch der Umgang der Eltern mit dem Stottern. Die Kinder brauchen Zeit und Ruhe zum Sprechen und sollten nicht unterbrochen oder bevormundet werden. Auch, wenn Eltern zu hilflos oder besorgt sind, ist eine Therapie denkbar. Die Behandlung arbeitet durch altersgemäße Übungen direkt an den Symptomen und sollte auch verhaltenstherapeutische Aspekte berücksichtigen, um ungünstige Kompensationen zu vermeiden. Sprechtechniken werden erarbeitet, um die Sprechflüssigkeit zu erhöhen. Die Eltern spielen in der Stottertherapie als Bezugspersonen eine wichtige Rolle und sollten immer mit in die Behandlung einbezogen werden.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist das Ziel der Behandlung darüber hinaus ein sicherer und souveräner Umgang mit dem Stottern.
Betroffene sollten sich an Therapeuten wenden, die Erfahrung und Weiterqualifikationen zum Thema Stottern haben. Eine wichtige Hilfe dabei sind die Internetseiten des DBL (Bundesverband der Logopäden) und der Stotterselbsthilfe- Vereinigungen.